“EVERYTHING ETHICALLY POSSIBLE FOR THE BEST OF THE ATHLETE!”

Interview mit Athletic Trainer und Konditionstrainer Ruben Hornberger

Es handelt von seinen Erfahrungen in den USA, bei Athletes‘ Performance [EXOS] in Arizona, der Chapman University in Kalifornien und der Profession des “Athletic Training“.

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GAMEDAY: RUBEN HORNBERGER ALS ATHLETIC TRAINER AN DER CHAPMAN UNIVERSITY

PROathlete: Ruben, Du bist Diplom-Sportwissenschaftler, hast an der Deutschen Sporthochschule (DSHS) in Köln studiert. Nach deinem Studium warst du als Fußball- und Athletiktrainer bei Alemannia Aachen im Nachwuchsbereich tätig. Außerdem hast du während deines Studiums in Kalifornien „Athletic Training“ studiert. Was ist der Kern dieses Studiengangs?

Ruben Hornberger: Das Besondere ist, dass die bestmögliche Betreuung des Athleten jederzeit im Mittelpunkt steht. Die Amerikaner nennen das:„everything ethically possible for the best of the athlete“. Aus verschiedenen Fachrichtungen werden Wissen und Erfahrungen zusammengefasst, um es unmittelbar bei der Arbeit am Athleten anwenden zu können.

Generell geht es vor allem um die Prävention, Diagnostik, Behandlung und Rehabilitation von Sportverletzungen sowie das sogenannte „reconditioning“, das sportartspezifische Aufbautraining und Wiederheranführen an den ursprünglichen Fitnesszustand des Athleten.

Man kann es im deutschsprachigen Raum wohl am ehesten mit einem Studium in „angewandter Sportmedizin“ umschreiben. Eine Kombination aus Sportwissenschaft, Medizin und Physiotherapie.
Im Vergleich zum deutschen Athletik-bzw. Konditionstrainer gibt es also deutliche Unterschiede im Aufgabenbereich. Sicherlich gibt es dabei Überschneidungen. Ich finde, dass sich der Athletic Trainer mit dem „Strength and Conditioning Coach“ (US-Pendant zu dem in Deutschland bekannten Konditionstrainer, Anm. der Red.) in der Athletenbetreuung ideal ergänzen.

„Athletic Training“ ist eine Profession, die in den USA eine lange Tradition hat und sowohl eine wissenschaftliche Fundierung aufweist als auch einen großen Schatz an Erfahrungswissen bietet.

PROathlete: Der DOSB bietet auch eine Fortbildung zum Sportphysiotherapeut an. Ist das nicht so ähnlich?

Ruben Hornberger: Ich denke nicht, dass man das miteinander vergleichen kann. Die Ausbildung in den USA ist ein vierjähriges Studium. Darüber hinaus haben der Sport allgemein und die Arbeit mit Leistungssportlern im Speziellen dort einen viel höheren Stellenwert, auch gesellschaftlich.

Zum Beispiel absolvieren Physiotherapeuten in den USA ein Master oder sogar Doktorstudium. Es gibt sehr hochqualifizierte, renommierte Programme. Auch im „Athletic Training“ gibt es mittlerweile Doktorprogramme.
Sicherlich überschneiden sich einige Inhalte im Curriculum. Das Studium „Athletic Training“ enthält begleitende, also voll ins Studium integrierte Praxisphasen von insgesamt 800 Stunden, in denen die Studenten jedes Semester unter Anleitung erfahrener Athletic Trainer eine andere Sportart bzw. andere Athleten zur sportmedizinischen Betreuung zugewiesen bekommen. Dabei wird unter anderem auf verschiedene Verletzungsprofile der Sportarten geachtet: Im Fußball treten Verletzungen häufiger in den unteren Extremitäten auf, beim Baseball wird ein Schwerpunkt Schulter und Arme gelegt.

Unabhängig von der DOSB-Ausbildung glaube ich, dass in Europa nur die wenigsten Einrichtungen eine solche Tiefe in der sportmedizinischen Betreuung bieten können.

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RUBEN HORNBERGER BEIM WARMUP EINES ATHLETEN VON DER CHAPMAN UNIVERSITY

PROathlete: Welchen Einfluss hat das Athletic Training-Studium auf deine Arbeit?

Ruben Hornberger: Zunächst war das eine sehr ereignisreiche und lehrreiche Zeit, die mich in meiner Denkweise über Training und Athletenbetreuung nachhaltig geprägt hat. Beispielsweise lege ich heute, durch die vertieften sportmedizinischen Kenntnisse, deutlich mehr Wert auf Details. Konkret heißt das, dass ich mich gezielter um den Sportler kümmere und intensiver mit der Frage beschäftige wie ich den Athleten besser gegen Verletzungen rüsten kann. Gleichzeitig verfolge ich dabei das Ziel, dass er trotzdem seine Leistungsfähigkeit halten oder idealerweise noch steigern kann.

Ich beobachte viele Dinge genauer, zum Beispiel den Gang und die Bewegungen auf dem Spielfeld. Natürlich greife ich dann in manchen Situationen auf die Erfahrungen und das Gelernte aus dieser Zeit zurück.
Man muss aber auch erkennen, wie unglaublich breit dieses Feld der Athletenbetreuung wirklich ist, wenn man professionell arbeiten will. Deswegen sollte man immer wissen wo der eigene Fachbereich aufhört und wann der Sportmediziner, Physiotherapeut oder Techniktrainer mit einbezogen werden sollte.

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RUBEN HORNBERGER BEI EXOS

PROathlete: Vor wenigen Monaten bist du von einer Fortbildung bei Athletes‘ Performance (jetzt EXOS) zurückgekehrt. Bei EXOS in Arizona konntest du mit vielen Leistungssportlern arbeiten. Was hat dich zu diesem Schritt bewegt und welche Erfahrungen hast du im Gepäck?

Ruben Hornberger: Den Kontakt zu Athletes‘ Performance habe ich bereits während meines Studiums aufgebaut. Als ich 2009 zum ersten Mal dort war und in Kalifornien studiert habe, gab es die Möglichkeit für ein paar Tage in Los Angeles im StubHub-Center, Trainingszentrum der US-Nationalmannschaft sowie von LA Galaxy und Chivas USA, zu hospitieren und mitzuarbeiten. Dort habe ich sofort gemerkt, dass mich das Leistungstraining im Fußball begeistert. Gerade wenn man sieht unter welch traumhaften Bedingungen dort gearbeitet wird. In diesen Tagen reifte der Wunsch, Sportler in den USA professionell zu betreuen.

Die Möglichkeit ergab sich nach Abschluss meines Studiums, als ich die Gelegenheit bei EXOS bekam Spitzensportler zu betreuen. Die folgenden 5 Monate waren sehr intensiv. Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase, bin ich parallel zur Ausbildung, die wir in den Bereichen Mindset, Nutrition, Movement und Recovery von den Coaches dort erhalten haben, immer mehr in die aktive Trainertätigkeit miteinbezogen worden.

PROathlete: Wie sah das konkret aus?

Ruben Hornberger: Ich durfte bereits in den ersten Wochen bei einer umfangreichen Leistungsdiagnostik für die Phoenix Coyotes (NHL, Profi-Eishockey-Team, Anm. der Red.) mitarbeiten und mit den Spielern einen Ausbelastungstest durchführen. Später haben wir dann bei der gesamten Saisonvorbereitung von Profi-Baseball-Spielern mitgearbeitet. Dazu zählten Stars, die bereits mehrmals die World Series gewonnen haben.

In Abwesenheit des zuständigen Trainers habe ich die Trainingsplanung für die College Preparation-Gruppe, High School-Schüler unterschiedlichster Sportarten, die sich auf ein Sport-Stipendium an einer Uni vorbereiten, gemacht und die Einheiten geleitet. Parallel konnte ich bei den sogenannten Mentorships mitarbeiten und lernte viel über Prävention, Therapie und Leistung, aber auch in Psychologie und Ernährung. Dadurch konnte ich natürlich viele Kontakte mit internationalen Fachleuten knüpfen.
Zusammenfassend und mit etwas zeitlichem Abstand kann ich sagen, dass mich diese Zeit auf ein höheres Level als Sportwissenschaftler und Trainer gebracht hat.
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RUBEN HORNBERGER BEI ATHLETES` PERFORMANCE IN PHOENIX, ARIZONA

PROathlete: Warum nimmst du an der International Performance Training Conference teil?

Ruben Hornberger: Für mich stellt die Konferenz eine sehr gute Plattform für einen spannenden Erfahrungsaustausch von hochkarätigen Referenten aus dem In- und Ausland dar. Bei allen Themen geht es um die Optimierung unserer Arbeit mit Leistungssportlern. Es werden verschiedenste Fragen geklärt, beispielsweise: Wie kann ein langfristiger Leistungsaufbau gelingen, der vor allem auch die Gesundheit des Athleten miteinbezieht?
Außerdem erwarte ich mir, dass hier im Vergleich zu anderen Konferenzen tiefer in die Thematik eingestiegen wird, sodass jeder Teilnehmer aber auch die Referenten untereinander davon profitieren können. Zudem bekommen Nachwuchstrainer und Wissenschaftler die Gelegenheit in einem professionellen Rahmen ihre Ideen und Konzepte vorzustellen.

PROathlete: Ruben, vielen Dank für deine Zeit und alles Gute für die kommenden Aufgaben.

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