FUNCTIONAL TRAINING KURS lesson 3

ASSESSMENT II. LANDEQUALITÄT.

by Kornelius Kraus [DS, MA]

Abb. 1: Hüftstrategie mit asymmetrischer Belastungsverteilung.

Abb. 1: Hüftstrategie mit asymmetrischer Belastungsverteilung.

Abb. 2: Valgus-Position während maximaler Beanspruchungssituation. Ein typisches Beispiel für die Kniestrategie.

Abb. 2: Valgus-Position während maximaler Beanspruchungssituation. Ein typisches Beispiel für die Kniestrategie.

DIE MOTORISCHE STRATEGIE IDENTIFIZIEREN

In der vergangenen Lesson haben wir uns mit dem Assessment der muskuloskeletalen Komponente beschäftigt. Dabei hast Du Dir einen Überblick über die Einsatzmöglichkeiten des Functional Movement Screens (FMS) erarbeitet. Nach der Auseinandersetzung mit den elementaren Muskelkontraktionsformen zeigte sich, dass der FMS hohe exzentrische Belastungsformen, wie sie bei Sprung- oder Sprintbewegungen der Fall sind, nicht erfasst.

In der heutigen Lesson erfährst Du wie Du diese exzentrischen Belastungsformen mit etwas Übung einfach erfassen kannst. Das Landing Error Scoring System macht dies möglich. Es ist ein zuverlässiges Verfahren für die Bewertung der Landequalität. Außerdem lassen sich aus den Ergebnissen Schlüsse für Verwendung der motorischen Strategie ziehen.

DESIGNKNOWLEDGE

AKTIVE UND PASSIVE STOßDÄMPFER

Unser Körper verfügt über aktive und passive Stoßdämpfer. Als aktiver Stoßdämpfer dient z.B. die exzentrische Muskelkontraktion der hinteren Oberschenkelmuskulatur bei Lauf-, Sprint- oder Sprungbewegungen. Sehr häufig treten in dieser Kontraktionsphase Verletzungen auf, da hier große Kräfte herrschen.

HAMSTRINGVERLETZUNG VON THIERRY HENRY

Zu den passiven Stoßdämpfern zählen Knochen, Kapseln und Bänder, wobei eine reine passive oder aktive Stoßabsorption nur theoretisch möglich ist. Von praktischer Bedeutung ist die Gewichtung der aktiven und passiven Stoßdämpfung. Muskuloskeletale Überlastungen werden mit einer zu hohen Gewichtung des passiven Bewegungsapparates in Verbindung gebracht. Zudem steht die fehlerhafte Koordination von Rumpf und unterer Extremität im Zusammenhang mit Verletzungen des vorderen Kreuzbandes (ACL).

Zudem existieren wissenschaftlich Belege, dass die Hüftstrategie sich gegenüber einer Kniestrategie als vorteilhafter erweist. Bei der Hüftstrategie wird die Bewegung der unteren Extremität maßgeblich von der Hüftmuskulatur initiiert und von der Oberschenkelmuskulatur unterstützt [Abb.1]. Umgekehrt verhält es sich bei der Kniestrategie. Hier ist im Vergleich zur Hüftmuskulatur hauptsächlich die vordere Oberschenkelmuskulatur aktiv [Abb.2].

SEMINAR ZUM THEMA. Functional Biomechanics of the Lower Quarter von Dr. Christopher Powers [University of Southern California, LA]. Hier bekommst Du fundierte Informationen und praktische Anwendungen zum Thema.

LANDING ERROR SCORING SYSTEM

Das Landing Error Scoring System [LESS] ist eine verlässliche Methode um die Bewegungsstrategie eines Sportlers unter maximaler Belastung bewerten. Dazu springt er von einem 30 cm hohen Kasten herunter um dann maximal hoch zu springen. Von besonderem Interesse ist die Landung vor dem Absprung. Diese wird frontal und sagittal mit einer Kamera erfasst und nach vorgeschriebenen Kriterien bewertet. Eine schlechte Bewegungsausführung ist dabei durch eine eingeschränkte Hüft- und Kniegelenksbeweglichkeit, sowie durch eine vermehrte Valgus-Stellung der Knie- und Innenrotation der Hüftgelenke gekennzeichnet. Während des Scorings achtet man auf den symmetrischen Fußaufsatz, die Knieachse, Hüftposition und Rumpfhaltung [Padua et al., 2009].

Detaillierte Hintergründe und Instruktionen findest Du bei Professor Darin Padua von der Chapel Hill University.

EINFÜHRUNG LESS

PROathlete STATEMENT
Das Landing Error Scoring System ist ein einfaches und zuverlässiges Tool für die Bewertung der Sprungqualität und  dient gleichzeitig zur Ableitung der motorischen Strategie der unteren Extremität bei maximalen Sprungbewegungen. Diese Informationen sind wichtig für die Entwicklung eines Trainingsprogramms für Leistungs- und Fitnesssportler sowie Reha-Patienten. Das Ziel der therapeutischen Maßnahmen und des Trainingsprogramms sollte die Entwicklung einer Hüftstrategie sein. Zudem empfehlen wir den Einsatz einer Gang- und Laufanalyse.

UPCOMING LESSON

In der nächsten Lesson lernst Du Möglichkeiten, wie man eine Hüftstrategie entwickelt.
Coaching-KK

 

 

 

 

 

 

 

 

LITERATUR
Padua, D.A., Marshall, S.W., Boling, M.C., Thigpen, C.A., Garrett, W.E. & Beutler, A.I. (2009). The Landing Error Scoring System (LESS) Is a valid and reliable clinical assessment tool of jump-landing biomechanics: The JUMP-ACL study. The American journal of sports medicine, 37 (10), 1996–2002.

DER AUTOR

KORNELIUS KRAUS. Seit 2006 betreut er Athleten und Nachwuchssportler. Der Sportwissenschaftler und Trainer bereitet wissenschaftliche Erkenntnisse für die Umsetzung in der Athletenbetreuung praxisnah auf. Zudem gibt er Trainings in Athletic Therapy, Functional Training und Strength and Conditioning. Einer seiner Forschungsschwerpunkte ist die motorische Verletzungsprävention.