TRAINING DENKEN – Ready für das nächste Training?

by Kornelius Kraus [DS, MA]

PROathlete-Paul-BobingerHeute zeigen wir anhand von einem Beispiel wie man vorhandene Anpassungsreserven einschätzen kann. Im vorletzten Blog haben wir die Superkompensation besprochen. Um langfristige Anpassungen zu erreichen müssen Athleten nicht immer maximal erholt sein, sondern optimal.  Konkret meinen wir damit, dass für den gewünschten Trainingsreiz genügend Reserven vorhanden sein müssen. Daraus ergibt sich die Frage, woher ich weiß, ob genügend Anpassungsreserven vorhanden sind. Die Antwort darauf ist sehr einfach – MESSEN.

Bei kurzfristigen Anpassungen ist es wichtig, sich einen Eindruck von dem individuellen Superkompensationsmuster des Sportlers zu verschaffen. Dazu schauen wir uns heute einen generellen und äußerst wichtigen Parameter an: die individuelle Homöostase des zentralen Nervensystem [ZNS].

Dazu bestimmen wir dem Zustand des ZNS vor und nach dem Training. Um diesen Zustand zu bestimmen messen wir die elektrischen Ströme des Gehirns [EEG, wir nutzen das DC-Potential].

By the way: Die ersten erfolgreichen Messungen mit dem EEG wurden in Thüringen an der Univerisität Jena von Hans Berger durchgeführt und 1929 publiziert. Gleichzeitig erforschte Harold Saxon Burr an der Yale Universität den Einfluss von elektromagnetischen Feldern auf das Leben, insbesondere den Menschen. Diese Grundlagen nutzen Ilyukhina und Kollegen um den Zusammenhang von körperlicher Belastung und nervaler [besser cerebraler] Homoöstase zu erforschen.

Dank dieser herausragenden Forschungsleistungen können wir heute via Smartphone die Beanspruchung des Athleten studieren und das Training dynamisch steuern.

DC-Potential-Regulation_PROathlete

Homöostase des zentralen Nervensystems eines Ausdauersportlers bei intensiver Belastung.

Die Abbildung zeigt die Homöostase des zentralen Nervensystems eines Ausdauersportlers. Gemessen wurde 2 Stunden vor dem Training, direkt nach dem Training und vor dem nächsten Training. Der Abfall des zentralen Nervenssystems zeigt, dass der Sportler intensiv belastet wurde und somit einen adäquaten Trainingsreiz bewirkt hat. Auf kardiovaskulärer Ebene konnte man sehen, dass der anaerobe Systemindex fiel und den Erfolg der Trainingsmaßnahme bestätigt. Da die Messung am Folgetag eine adäquate Erholung zeigte, konnte das Training wie geplant fortgeführt werden. Jedoch ist dies sehr häufig nicht der Fall. Es gibt Situationen in denen Sportler eine sehr hohe allgemeine nervale Belastung aufweisen und demzufolge für intensive Belastungen nicht bereit sind [systemdynamische Trainingssteuerung]. Mögliche Folgen können Verletzungen oder ausbleibende Performance sein.

LITERATUR
Berger, H. (1929). Über das Elektrenkephalogramm des Menschen. In: Archiv für Psychiatrie (87), S. 527-570.
Burr, H. & F.S.C. Northrop (1930). The Electro-Dynamic Theory of Life. In: The Quarterly Review of Biology, S. 322-334.
Ilyukhina, V. A.; Sychev, A. G.; Shcherbakova, N. I.; Baryshev, G. I.; Denisova, V. V. (1982): The omega-potential: a quantitative parameter of the state of brain structures and of the individual. II. Possibilities and limitations of the use of the omega-potential for rapid assessment of the state of the individual. In: Human Physiology 8 (5), S. 328–339.

DER AUTOR

KORNELIUS KRAUS. Seit 2006 betreut und berät Kornelius Kraus Nachwuchssportler, Athleten und Trainer. Für sie bereitet der Sportwissenschaftler und Trainer wissenschaftliche Erkenntnisse praxisnah auf. Zudem gibt er Trainings in Athletic Therapy, Functional Training und Strength and Conditioning. Überdies erforscht er Methoden zu Steigerung der sportlichen Leistung und Verletzungsminimierung..