Hamstring-Prävention mit der Nordic-Hamstring-Exercise?

von Kornelius Kraus [DS, MA]

DSC_0673sw2Hamstring-Verletzungen gehören zu den häufigsten Muskelverletzungen im Leistungssport. Um diese Verletzung zu reduzieren wird oft die Nordic- Hamstring-Exercise eingesetzt. Seit geraumer Zeit werden die Effekte der Nordic-Hamstring-Exercise wissenschaftlich untersucht. Doch wie so oft driften die Meinungen weit auseinander. Entscheidend für den praktischen Einsatz jedoch ist die Trainingswirkung der Übung.

// WAS BRINGT DIE ÜBUNG?

Aus der funktional-anatomischen Perspektive beobachten wir eine beidbeinige langsame exzentrische Bewegung der Hamstring-Gruppe.

Aus der motorischen Perspektive sieht man z.B. Aktivität des Semitendinosus und Semimembranosus sowie geringe Aktivität des Biceps Femoris im EMG (Delahunt et al. 2016, Tsaklis et al. 2015) sowie generell exzentrischen Bewegungen erhöhte kortikale Aktivität im EEG (Fang, 2001).

Allerdings passieren Hamstring-Verletzungen normalerweise bei Sprintbewegungen (Kraaijenhof, 2015). Daher scheint eine sehr hohe Bewegungsgeschwindigkeit und die damit verbundene hohe muskuloskelettalen Spannungssituation eine wesentliche Bedingung für Hamstring-Verletzungen zu sein.

// MÖGLICHE EFFEKTE
1. Erhöhung der konzentrischen Kraft durch intra- und intermuskuläre Koordination von Semimembranosus und Semitendinosus bei langsamen Bewegungen.
2. Erhöhung des exzentrischen Kraftniveaus in der Hamstring-Gruppe.
3. Veränderung der strukturellen Eigenschaften des Bindegewebes z.B. des myotendinösen Übergangs (dafür sind allerdings mehrere Monate notwendig).

// BEWERTUNG

Die Nordic-Hamstring-Exercise ist sehr unspezifisch, da eine geringe Bewegungsgeschwindigkeit und zu unspezifische Spannungssituation in den Muskelschlingen vorliegen. Daher ist die Übung für die unspezifische Prävention bzw. generelles Conditioning geeignet, allerdings nicht für spezifische die Prävention und Leistungssteigerung. Eine zu häufige Anwendung der Übung kann dazuführen, dass schnelle Sportler möglicherweise langsamer werden. By the way: Die Übung ist keineswegs eine wissenschaftliche Innovation. Trainern ist sie schon über 100 Jahre bekannt.

DER AUTOR

KORNELIUS KRAUS. Seit 2006 betreut und berät Kornelius Kraus Nachwuchssportler, Athleten und Trainer. Für sie bereitet der Sportwissenschaftler und Trainer wissenschaftliche Erkenntnisse praxisnah auf. Zudem gibt er Trainings in Athletic Therapy, Functional Training und Strength and Conditioning. Überdies erforscht er Methoden zu Steigerung der sportlichen Leistung und Verletzungsminimierung.

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